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Apfelbaum schneiden: So bleibt er vital

Von Achim Werner und Luisa Roth

Wer es ernst meint, das mit der Apfelernte, der kommt um den Obstbaumschnitt nicht umhin. Zum einen deshalb, weil ein fachgerecht geschnittener Baum vitaler und widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen ist. Zum anderen hat der richtige Schnitt auch einen positiven Einfluss auf die Größe und den Geschmack der Äpfel. Wann und wie Sie Ihren Apfelbaum schneiden sollten, lesen Sie hier.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Apfelbaum schneiden?

Apfelbäume, die bereits länger Früchte tragen – also schon einige Jahre alt sind – schneidet man am besten einmal im Jahr. Der ideale Zeitpunkt für diesen sogenannten Erhaltungsschnitt ist im Spätwinter beziehungsweise Frühjahr (bis März). In dieser Zeit hat das Gehölz noch keine neuen Knospen gebildet. Der gezielte Rückschnitt kann dann das Wachstum an den richtigen Stellen anregen. Außerdem ist es vorteilhaft, dass die Äste ohne Blätter sind und der Kronenaufbau so besonders gut erkennbar ist.

Kann man einen Apfelbaum auch im Herbst schneiden? Der Hauptschnitt sollte im Winter beziehungsweise Frühjahr erfolgen. Ein zweites Nachschneiden im Herbst kann aber durchaus sinnvoll sein. Nach der Ernte und vor dem ersten Frost können Sie Fruchtmumien und Totholz entfernen. Hier verstecken sich besonders oft Schädlinge und Krankheitserreger.

Ein Sommerschnitt empfiehlt sich nur selten. Falls Ihr Apfelbaum bereits älter ist und sie ihn im letzten Winter daher stark verjüngt haben, kann ein kleiner Rückschnitt im Sommer das daraus resultierte starke Wachstum abschwächen. Dabei sollten Sie aber zurückhaltend vorgehen. Zwischen Juli und August können Sie einige der Neuaustriebe herausnehmen.

Ein Apfelbaum mit runder Krone, grünen Blättern und roten Äpfeln in einem Garten. Eine kleine Holzleiter lehnt an dem Baum, um das Pflücken der Äpfel zu erleichtern. Im Hintergrund sind weitere Bäume und eine grüne Wiese zu sehen.
Im Sommer gilt: Nicht in das alte Holz schneiden! [Foto: AdobeStock_pegasosart]

Apfelbäume schneiden: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Welche Äste sollte man beim Apfelbaum abschneiden? Und welche besser stehen lassen? Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, was zu tun ist.

  1. Die ganz dicken Gerüstäste bleiben ungeschnitten. Sie stehen in der Regel bereits in günstigem Abstand zueinander.
  2. Grundsätzlich alles Holz, das aneinander reibt, in die Krone hineinwächst oder zu dicht steht, auslichten. Die steil und sehr flach stehenden Triebe an der Basis entfernen.
  3. Bei jeder Y-förmigen Gabelung entscheiden, welcher der beiden abzweigenden Triebe herausgenommen werden kann. Besonders wichtig ist hier auch die Spitze des Mitteltriebes.
  4. Bei den mehrjährigen Ästen genau schauen, welche nicht mehr gebraucht werden. Auch hier überall dort einen Ast vollständig wegnehmen, wo zwei sich bedrängen.
  5. Die einjährigen Triebe niemals einkürzen, sondern an der Ursprungsstelle ganz entfernen. Aber nicht alle Ruten, denn aus den Einjährigen wird später das Fruchtholz. Außerdem würde das dazu führen, dass aus dem alten Holz zu viele neue Triebe sprießen. Sogar da, wo zunächst gar keine Knospen zu erkennen sind. Ein unkontrollierter Wuchs wäre die Folge.
  6. Besser die einjährigen Langtriebe nur kräftig ausdünnen und gut ein Drittel von ihnen gleichmäßig verteilt im gesamten Kronenraum stehen lassen. Vor allem aber in der Peripherie, wo sie viel Licht bekommen. Obwohl an den Trieben jetzt noch keine Blütenansätze erkennbar sind, bilden sich im Folgejahr jede Menge dicker Blütenknospen, aus denen schöne Früchte entstehen.
  7. Ganz zum Schluss das überalterte Fruchtholz ausdünnen. Das blüht zwar besonders schön, aber die Äpfel, die hier wachsen, sind nicht die besten. Dieses stark verzweigte, kurze Quirlholz mitten in der Krone besitzt nur wenige Blätter, die kaum Licht abbekommen. Sie können keine hochwertigen Früchte ernähren. Je jünger und kräftiger das Fruchtholz, desto besser die Äpfel.

Im Video: Grundlagen-Tipps zum Apfelbaumschnitt im Winter

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Zur Person

Dr. Markus Phlippen ist promovierter Biologe und Buchautor. Seit Jahrzehnten ist er als TV-Gartenexperte im WDR bekannt. Er ist der wissenschaftliche Leiter von Gardify, einer Garten-App für Hobby- und Profigärtner, die unter anderem einen To-do-Kalender bereithält, Pflanzen scannt und bestimmt, das Garten-Wetter präsentiert und in der Kategorie „Pflanzen-Doc“ Nutzer-Fragen zu Pflege, Krankheiten und Schädlingsbefall beantwortet.

Fehler vermeiden: Apfelbaum nicht zu stark zurückschneiden

Einen Apfelbaum, der zu stark geschnitten wurde, erkennen Sie an den zahlreichen unzverzweigten Langtrieben, den sogenannten Wasserschossen. Deshalb gilt, wie oben bereits erwähnt: Einjährige Triebe nicht einkürzen! Aus jedem solcher Einkürzungen sprießen im Jahr darauf mindestens zwei neue Knospen aus und bilden dann lange, oft senkrechte Triebe. Blütenknospen sind an diesem frischen Holz allerdings keine zu finden.

Starker Rückschnitt führt zu starkem Austrieb

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass ein starker Obstbaumschnitt dazu führen würde, dass der Baum im Wachstum gehemmt würde. Im Gegenteil! Ein starker Rückschnitt provoziert einen starken Austrieb. Die Krone wird dann umso dichter. Stärkere Schnittmaßnahmen können aber empfehlenswert sein, wenn der Baum vergreist ist und nur noch wenige Früchte trägt. Dann hilft es, neues Triebwachstum anzuregen. Bei einem Baum, der zuverlässig Früchte trägt, ist dagegen weniger mehr.

Apfelbaum richtig schneiden: Welches Werkzeug braucht man?

Mit Baum- oder Rosenschere …

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… und einer kleinen Säge ist man gut ausgerüstet.

Mit einer scharfen Baumschere sowie einer Handsäge haben Sie schon alles, was Sie brauchen. Übrigens lassen sich manche Werkzeugstiele auch mit einer Baumsäge ausrüsten – für alle, die lieber festen Boden unter den Füßen haben. Die Handhabung der Teleskopstiele erfordert zwar etwas Übung, doch die Anschaffung solcher Wechselsysteme zahlt sich aus. Denn die Reichweite vergrößert sich immens und die Leiter erübrigt sich. So sollte das Apfelbaum schneiden gelingen.


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